Die Dreisam ist an heißen Tagen einer der wichtigsten Orte in Freiburg. Menschen suchen dort Abkühlung. Gleichzeitig wird der Fluss für Fische immer schwieriger. Hohe Temperaturen, niedrige Wasserstände und starker Badebetrieb treffen in der Dreisam direkt aufeinander. Besonders betroffen sind die Kältepools und die Fischtreppe an der Schwabentorbrücke.
Dreisam in Freiburg
An heißen Sommertagen wirkt die Dreisam in Freiburg wie ein langes Freibad. Der Fluss wird auf rund 13 Kilometern zur Abkühlung genutzt. Viele Menschen sitzen im Wasser, stehen auf Steinen oder suchen im flachen Flussbett Schatten und Kühle. Für sie ist die Dreisam ein öffentlicher Erholungsraum. Für Fische ist dieselbe Situation belastend.
Ökologen warnen, dass die vielen Badegäste für Fische puren Stress bedeuten. Dazu kommen steigende Wassertemperaturen und sinkende Pegel. Die Dreisam heizt sich in heißen Phasen stark auf. An manchen Stellen ist nur wenig Wasser vorhanden. Der Konflikt ist deshalb konkret. Es geht um Erholung für Menschen und um Überlebensräume für Tiere.
In Freiburg wird die Lage auch im Zusammenhang mit Hitze in Freiburg diskutiert. Denn die Belastung entsteht nicht nur durch Menschen im Wasser. Sie hängt auch mit den hohen Temperaturen zusammen. Besonders empfindlich reagieren Fischarten, die kühles und sauerstoffreiches Wasser brauchen.
| Faktor | Angabe | Bedeutung für die Dreisam |
|---|---|---|
| Badebereich | rund 13 Kilometer | Die Dreisam wird bei Hitze stark genutzt. |
| Messung bei der Ganter-Brauerei | 17 Grad | Die Kältepools halten das Wasser dort kühler. |
| Höchste genannte Messung | 31,1 Grad | Diese Temperatur ist für Fische lebensgefährlich. |
| Tiefe der Kältepools | bis zu 2 Meter | Kaltes Grundwasser mischt sich mit warmem Dreisamwasser. |
| Betroffene Fischarten | Döbel, Groppen, Bachforellen, Hechte und Lachse | Diese Arten brauchen kühle und sauerstoffreiche Rückzugsorte. |
| Mögliche Wirkung von Schildern | 70 bis 80 Prozent | So viele Badende könnten laut Stadt Freiburg erreicht werden. |
Kältepools bei Ganter
Auf Höhe der Ganter-Brauerei misst Ingo Kramer die Temperatur der Dreisam. Er ist Biologe und Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg, kurz LFVBW. Dort zeigt das Messgerät 17 Grad. Das Wasser ist noch vergleichsweise kühl. Der Grund sind die Kältepools im Flussbett.
Diese Becken sind bis zu 2 Meter tief. In ihnen mischt sich etwa 12 Grad kaltes Grundwasser mit dem warmen Wasser der Dreisam. Außerdem gelangt Sauerstoff ins Wasser. Für Fische entstehen dadurch Kühlinseln. Gerade in Rekordhitze-Tagen sind solche Bereiche entscheidend.
Ingo Kramer hat kürzlich an anderer Stelle der Dreisam 31,1 Grad gemessen. Diese Temperatur wurde dort registriert, wo der Fluss deutlich wärmer war. Kramer ordnet die Lage klar ein.
„Da kann kein Fisch mehr überleben“
Ingo Kramer, Geschäftsführer Landesfischereiverband Baden-Württemberg
Die Kältepools wurden gezielt für die Tiere angelegt. Dort sollen sich Fischarten zurückziehen können, wenn andere Abschnitte zu warm oder zu flach werden. Nach Angaben von Kramer werden jedes Jahr mehr Fische in diesen Bereichen festgestellt. In der Dreisam leben unter anderem Döbel, Groppen, Bachforellen, Hechte und Lachse.
„Vertreibt man die Fische hier, schickt man sie in den sicheren Tod.“
Ingo Kramer
Kramer betont, dass er nicht grundsätzlich gegen Baden in der Dreisam ist. Problematisch ist aus seiner Sicht das Baden direkt in den Kältepools. Diese Orte wurden mit Aufwand geschaffen. In heißen und trockenen Sommern gehören sie zu den letzten Rückzugsräumen für Fische.
„Wir machen uns Riesensorgen um die Fische, die jetzt noch in der Dreisam leben.“
Ingo Kramer
Hintergrundinformationen zu solchen Kaltwasserpools in der Dreisam bietet auch das SWR Aktuell. Der Link ist als normaler dofollow-Link eingebunden.
Fischtreppe an der Schwabentorbrücke
Ein weiterer Konfliktpunkt liegt an der Fischtreppe bei der Freiburger Schwabentorbrücke. Auch dieser Bereich ist bei Hitze ein beliebter Badeort. An besonders heißen Tagen sind dort kaum freie Steine im Wasser zu sehen. Viele Menschen sitzen im Fluss. Andere planschen oder kühlen die Füße.
Eine Badende beschreibt die Dreisam als besonderen Ort in Freiburg.
„Es ist etwas Besonderes in Freiburg, dass es die Dreisam zum Abkühlen gibt. Es ist immer so ein bisschen Urlaubsfeeling“
Badende an der Dreisam
Ein anderer Badegast verweist auf die Bedeutung des Flusses während der Hitze.
„Gerade jetzt, wo es so heiß ist, ist die Dreisam einfach ein wichtiger Ort“
Badender an der Dreisam
Für Fische kann die Fischtreppe an solchen Tagen ihre eigentliche Funktion kaum erfüllen. Sie ist als Aufstiegshilfe gedacht. Ingo Kramer nennt ausdrücklich Lachse, Döbel und Bachforellen. Diese Arten sollen über die Fischtreppe wandern können.
„Es ist eigentlich eine Aufstiegshilfe für Lachse, Döbel oder Bachforellen“
Ingo Kramer
Durch den Badebetrieb werde dieser Zweck gestört. Kramer formuliert es deutlich.
„Durch den Badebetrieb haben die Fische hier keine Chance.“
Ingo Kramer
Ein generelles Badeverbot sieht Kramer an dieser Stelle jedoch als schwer durchsetzbar. Die Dreisam ist stark im Alltag der Stadt verankert. Deshalb dreht sich die Debatte nicht nur um Verbote. Sie dreht sich auch um Aufklärung, Hinweise und gezielte Einschränkungen an besonders empfindlichen Stellen.
Urin und Sonnenmilch
An der Dreisam gibt es keine Sanitäranlagen. Das verschärft die Lage. Einige Menschen, vor allem Kinder, urinieren gelegentlich ins Wasser. Klaus Lachner, Fachreferent für Gewässer beim LFVBW, erklärt die Folgen für die Wasserqualität.
„Urin enthält Stickstoffverbindungen und diese werden im Wasser sofort hochoxidiert“
Klaus Lachner, Fachreferent für Gewässer beim LFVBW
Durch diesen Vorgang sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser zusätzlich. Im Sommer ist Sauerstoff in warmem Wasser ohnehin knapp. Je weniger Wasser die Dreisam führt, desto stärker wirkt sich jede zusätzliche Belastung aus. Urin wirkt zudem wie ein Düngemittel. Dadurch kann das Wachstum von Algen gefördert werden.
„Wenn die Menschen in die Dreisam pinkeln, leidet der Sauerstoffgehalt. Je weniger Wasser drin ist, umso mehr.“
Klaus Lachner
Auch Sonnenmilch gelangt in den Fluss. Nach Angaben von Lachner ist sie heute meist biologisch abbaubar. Trotzdem ist der Abbau nicht folgenlos.
„Aber auch das braucht Sauerstoff“
Klaus Lachner
Damit treffen mehrere Faktoren zusammen. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff. Niedriger Pegel verringert die Ausweichräume. Badebetrieb vertreibt Fische aus kühlen Zonen. Urin und Sonnenmilch belasten die Wasserqualität zusätzlich. Diese Punkte machen die Situation in der Dreisam besonders angespannt.
- 31,1 Grad wurden an einer Stelle der Dreisam gemessen.
- 17 Grad wurden auf Höhe der Ganter-Brauerei registriert.
- Bis zu 2 Meter tief sind die Kältepools im Flussbett.
- 70 bis 80 Prozent der Badenden könnten nach Einschätzung der Stadt durch Schilder erreicht werden.
Stadt Freiburg prüft Regeln
Ingo Kramer setzt auf mehr Aufklärung. Viele Menschen wüssten nicht, wofür die Kältepools gebaut wurden. Aus seiner Sicht braucht es deshalb klare Informationen vor Ort. Zugleich formuliert er eine konkrete Forderung.
„Ein Betretungsverbot zu bestimmten Zeiten gerade in diesen Bereichen.“
Ingo Kramer
Ein solches Verbot müsste die Stadt Freiburg erlassen. Nach Kramers Angaben hat der Fischereiverband bereits einen entsprechenden Antrag gestellt. Damit liegt die Frage nun auch bei der Stadtverwaltung. Dort ist das Problem angekommen.
Klaus von Zahn leitet das städtische Umweltschutzamt Freiburg. Er sagt, die Stadt müsse auf den Bade-Ansturm reagieren. Geprüft werden Informationsschilder, Verordnungen und mögliche Badeverbote in Teilbereichen. Dabei geht es nicht um die gesamte Dreisam. Es geht vor allem um sensible Abschnitte.
„Entweder werden wir mit Informationsschildern arbeiten oder aber sogar entsprechende Verordnungen und Badeverbote in Teilbereichen erlassen.“
Klaus von Zahn, Leiter Umweltschutzamt Freiburg
Nach Einschätzung von Klaus von Zahn könnten Informationsschilder an den Kältepools 70 bis 80 Prozent der Badenden erreichen. Die Stadt will prüfen, ob Baden bei bestimmten Wasserständen und an bestimmten Orten eingeschränkt werden sollte. Gleichzeitig geht sie vorsichtig vor. Die Nutzung von Gewässern durch Menschen wird nicht grundsätzlich infrage gestellt.
Die Diskussion berührt auch das Thema sicheres Baden. In der Dreisam kommt jedoch ein zusätzlicher Punkt hinzu. Es geht nicht nur um Sicherheit für Menschen. Es geht auch um Schutzräume für Fische.
Dreisam bleibt zugänglich
Bei der Fischtreppe an der Schwabentorbrücke sieht die Stadt die Lage etwas entspannter. Klaus von Zahn verweist darauf, dass die Treppe vor allem im Winter und Frühjahr wichtig ist. Dann liegt die Hauptlaichzeit der Fische. In dieser Zeit sitzen nach seinen Angaben keine Menschen in der Dreisam.
„Und da sitzen keine Menschen in der Dreisam und stören“
Klaus von Zahn
Anders bewertet die Stadt die Kältepools. Sie sind für heiße und trockene Phasen besonders wichtig. Dort will die Verwaltung genauer hinschauen.
„Bei den Kältepools schauen wir schon deutlich genauer hin.“
Klaus von Zahn
Der Großteil der Dreisam soll nach Aussage von Klaus von Zahn weiter frei zugänglich bleiben. Das ist ein zentraler Punkt der Debatte. Die Stadtgesellschaft soll den Fluss weiter nutzen können. Gleichzeitig sollen besonders empfindliche Bereiche geschützt werden.
„Natürlich wird der Großteil der Dreisam weiter frei zugänglich sein für die Stadtgesellschaft.“
Klaus von Zahn
Damit zeichnet sich eine abgestufte Lösung ab. Die Kältepools könnten stärker geschützt werden. Die Fischtreppe bleibt im Blick. Informationsschilder gelten als erster möglicher Schritt. Teilweise Badeverbote bleiben eine Option. Für Freiburg geht es um einen Ausgleich zwischen Abkühlung im Sommer und dem Überleben der Fische in der Dreisam.
Auch andere Freizeitorte wie Freibäder stehen in heißen Sommern im Fokus. An der Dreisam ist die Lage jedoch anders. Der Fluss ist kein künstliches Becken. Er ist Lebensraum für Döbel, Groppen, Bachforellen, Hechte und Lachse.
FAQ
Warum ist die Dreisam in Freiburg für Fische problematisch?
Die Dreisam wird an heißen Tagen stark genutzt. Gleichzeitig steigen die Wassertemperaturen, der Pegel sinkt und der Sauerstoffgehalt nimmt ab. Für Fische bedeutet das Stress und an manchen Stellen Lebensgefahr.
Welche Temperatur wurde in der Dreisam gemessen?
Ingo Kramer hat an einer Stelle der Dreisam 31,1 Grad gemessen. Auf Höhe der Ganter-Brauerei wurden durch die Kältepools 17 Grad registriert.
Wofür sind die Kältepools in der Dreisam da?
Die Kältepools sind bis zu 2 Meter tiefe Bereiche im Flussbett. Dort mischt sich kaltes Grundwasser mit warmem Dreisamwasser. So entstehen Rückzugsorte für Fische.
Welche Fischarten leben in der Dreisam?
In der Dreisam leben unter anderem Döbel, Groppen, Bachforellen, Hechte und Lachse. Diese Arten brauchen ruhige und sauerstoffreiche Bereiche.
Warum ist die Fischtreppe an der Schwabentorbrücke wichtig?
Die Fischtreppe ist eine Aufstiegshilfe für Lachse, Döbel und Bachforellen. Bei starkem Badebetrieb können Fische sie nach Angaben von Ingo Kramer kaum nutzen.
Was prüft die Stadt Freiburg?
Die Stadt Freiburg prüft Informationsschilder, Verordnungen und mögliche Badeverbote in Teilbereichen. Besonders die Kältepools stehen im Fokus.
Bleibt die Dreisam frei zugänglich?
Klaus von Zahn betont, dass der Großteil der Dreisam weiter frei zugänglich für die Stadtgesellschaft bleiben soll.
Quelle: SWR
