In Freiburg, einer Stadt mit hoher Lebensqualität und dynamischer Wirtschaft, spitzt sich der Fachkräftemangel seit Jahren zu. Immer mehr Betriebe melden offene Stellen, doch viele davon bleiben lange unbesetzt. Ob in der Pflege, im IT-Bereich oder im Handwerk – es fehlt an qualifizierten Arbeitskräften. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Unternehmen, sondern auch Bürgerinnen und Bürger, denn Dienstleistungen verzögern sich, Bauvorhaben stagnieren und Bildungseinrichtungen geraten an ihre Grenzen.
Arbeitsmarkt in Freiburg – aktuelle Lage und Trends
Der Arbeitsmarkt in Freiburg steht im Zeichen eines deutlichen Fachkräftemangels. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei rund 4,3 % (Stand Oktober 2025) und damit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Gleichzeitig ist die Nachfrage der Unternehmen nach Personal hoch: Mitte Oktober 2025 waren im Agenturbezirk Freiburg rund 4.632 offene Stellen gemeldet. Besonders gesucht sind qualifizierte Fachkräfte, während einfache Helfertätigkeiten seltener unbesetzt bleiben. Die folgenden Zahlen verdeutlichen, in welchen Branchen der Bedarf an neuen Mitarbeitern derzeit am größten ist:
| Branche | Neue Stellenangebote (Oktober 2025) |
|---|---|
| Freiberufliche, wissenschaftliche & technische Dienstleistungen | 176 |
| Unternehmensnahe Dienstleistungen (inkl. Zeitarbeit) | 152 |
| Verarbeitendes Gewerbe (Industrie) | 142 |
| Gesundheits- & Sozialwesen | 133 |
| Information & Kommunikation (IT-Branche) | 101 |
| Handel (Einzel- & Großhandel) | 95 |
| Öffentliche Verwaltung | 64 |
| Baugewerbe | 64 |
Diese Auflistung zeigt: Quer durch nahezu alle Bereiche werden in Freiburg Mitarbeiter gesucht. Im Folgenden werfen wir einen genaueren Blick auf die Branchen, in denen der Personalbedarf besonders auffällt.
Gesundheits- und Pflegebereich - Personalnot im Klinik- und Pflegealltag
Im Gesundheitswesen macht sich der Fachkräftemangel bundesweit am deutlichsten bemerkbar. Laut einer IW-Studie blieben allein im Jahr 2024 über 46.000 Stellen im Gesundheitswesen unbesetzt – mehr als in jeder anderen Branche. Dieser Trend spiegelt sich auch in Freiburg wider. Als Standort eines Universitätsklinikums und zahlreicher Pflegeeinrichtungen ist der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften, medizinischem Personal und Therapeutinnen hoch. Schon heute besteht ein akuter Personalmangel in der Kranken- und Altenpflege, was die Versorgung der Patienten und Pflegebedürftigen zunehmend unter Druck setzt. Die Stadt Freiburg hat hierzu Alarm geschlagen: Der Bedarf an Pflegepersonal steigt seit Jahren kontinuierlich, doch viele Stellen können mangels Personal nicht besetzt werden. Zusätzlich verschärft die angespannte Wohnungslage in Freiburg das Problem – einige neue Pflegekräfte sagen ihre Stelle wieder ab, weil sie keine bezahlbare Wohnung in der Nähe finden. Um dem entgegenzuwirken, wurde eine gemeinsame Initiative lokaler Pflegeanbieter gestartet, um Wohnraum für Pflegekräfte zu vermitteln. Dennoch bleibt die Lage herausfordernd: Ohne zusätzliche Fachkräfte – etwa durch gezielte Anwerbung aus dem Ausland – lässt sich die Lücke kaum schließen. Bereits seit 2013 ist die Zahl der Beschäftigten in der Pflege in Freiburg zwar um 35 % gestiegen, doch viele der erfahrenen Kräfte erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter. Es fehlt an Nachwuchs, und unattraktive Arbeitsbedingungen (Schichtdienste, vergleichsweise geringe Bezahlung) erschweren die Gewinnung neuer Fachkräfte. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind im Alltag spürbar: Längere Wartezeiten in Arztpraxen, Engpässe in der Krankenhausversorgung oder vorübergehende Aufnahmestopps in Pflegeheimen sind Warnsignale für die Personalknappheit im Gesundheitssektor.
Bildungswesen - Lehrermangel trotz Neueinstellungen
Auch im Bildungssektor macht sich der Arbeitskräftemangel deutlich bemerkbar. Zwar wurden zu Beginn des Schuljahres 2025/26 im Regierungsbezirk Freiburg rund 1700 neue Lehrkräfte eingestellt – etwa 230 mehr als im Vorjahr. Doch selbst diese Einstellungsoffensive reicht nicht aus, um alle offenen Stellen zu besetzen. Besonders in ländlichen Regionen Südbadens bleiben zahlreiche Lehrerstellen vakant. Wie der Freiburger Regierungspräsident Carsten Gabbert erklärte, finden sich außerhalb der Stadt Freiburg zu wenige Bewerber, sodass viele Schulen auf dem Land weiterhin unterbesetzt sind. Gründe dafür sind unter anderem die geringere Attraktivität abgelegener Standorte und die dort oft schlechtere Verkehrsanbindung. Viele junge Absolventinnen bevorzugen eine Anstellung in der Stadt; zudem zieht die nahe Schweiz mit deutlich höheren Gehältern potentielle Lehrkräfte aus der Grenzregion ab. Die Folge: An manchen Schulen müssen Fächer zusammengelegt oder Unterrichtsstunden gekürzt werden, um den Mangel zu kaschieren. Besonders betroffen sind Grundschulen und sonderpädagogische Einrichtungen, wo der Bedarf hoch und der Bewerbermangel eklatant ist. Das Land Baden-Württemberg versucht gegenzusteuern – etwa durch die Rückkehr zum G9-Abitur, wodurch zeitweise weniger Gymnasiallehrer benötigt werden, die nun an anderen Schularten aushelfen können. Dennoch bleibt der Lehrermangel in Südbaden ein Dauerthema. Bildungsexpertinnen prognostizieren, dass deutschlandweit bis 2035 zehntausende Lehrkräfte fehlen werden, wenn keine umfassenden Maßnahmen ergriffen werden. Im Großraum Freiburg sind kreative Lösungen gefragt: etwa Anreize für Lehramtsabsolventen, aufs Land zu gehen, verstärkte Nachqualifizierung von Quereinsteigern oder der Einsatz digitaler Lernformate, um Engpässe abzumildern. Trotz aller Herausforderungen bemühen sich die Schulen, den Unterricht aufrecht zu erhalten – doch die Belastung des vorhandenen Personals ist spürbar gestiegen.
IT und Tech-Branche - Hohe Nachfrage nach digitalen Fachkräften
Die IT-Branche zählt zu den am stärksten wachsenden – und zugleich vom Fachkräftemangel betroffenen – Sektoren. In Freiburg, das sich als Technologiestandort mit mehreren Forschungseinrichtungen (z.B. das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme) und einem lebendigen Startup-Ökosystem etabliert hat, werden kontinuierlich IT-Spezialistinnen gesucht. Softwareentwickler, IT-Sicherheitsfachleute, Datenanalysten und andere digitale Experten sind heiß begehrt. Deutschlandweit erreicht der Mangel hier Rekordwerte: Ende 2023 waren schätzungsweise 149.000 IT-Stellen unbesetzt– ein Höchststand laut Bitkom, dem Branchenverband der deutschen IT-Wirtschaft. Diese Zahlen machen deutlich, dass der Bedarf an IT-Fachkräften auch durch Konjunkturschwächen kaum gebremst wird. Unternehmen aller Branchen suchen händeringend* nach Digital-Expertise, um die fortschreitende Digitalisierung zu meistern. In Freiburg spiegelt sich dies wider in zahlreichen Stellenangeboten im Sektor Information und Kommunikation (allein im Oktober über 100 neue Jobangebote). Besonders Start-ups und mittelständische Tech-Firmen konkurrieren um gut ausgebildete Entwickler und Ingenieure. Hinzu kommt, dass auch klassische Industriebetriebe und sogar die öffentliche Verwaltung immer mehr IT-Fachpersonal benötigen (etwa für die Umsetzung von E-Government und Cybersicherheit). Die Konsequenz des Fachkräftemangels in IT und Technik: Projekte verzögern sich, Innovationsvorhaben bleiben liegen und vorhandene Teams sind überlastet. Für Fachkräfte in diesem Bereich bedeutet das jedoch hervorragende Chancen – die Gehälter steigen und Arbeitgeber zeigen sich zunehmend flexibel (Homeoffice, Weiterbildungsangebote, Family-Work-Balance), um Talente zu gewinnen und zu binden. Insgesamt ist in Freiburg wie bundesweit damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach IT- und Tech-Experten weiter steigt, während das Angebot aus dem Bildungssystem (Informatik-Absolventen, Auszubildende in IT-Berufen) diesem Wachstum kaum standhalten kann.
Handwerk und Baugewerbe - Engpässe bei Facharbeitern
In der Region Freiburg, wie in ganz Deutschland, gehört das Handwerk zu den Bereichen, in denen qualifizierte Fachkräfte fehlen. Ob Elektriker, Klempner, Schreiner oder Heizungsbauer – nahezu alle Gewerke melden unbesetzte Stellen. Besonders dramatisch zeigt sich der Mangel im Bau- und Ausbaubereich. Laut Branchenstudien war 2024 die Fachkräftelücke im Baugewerbe mit rund 41.300 offenen Stellen deutschlandweit die zweitgrößte unter allen Branchen (nach dem Gesundheitswesen). In Freiburg macht sich dies zum Beispiel bei der Wohnungsbauoffensive bemerkbar: Obwohl neuer Wohnraum dringend benötigt wird, können Bauprojekte sich verzögern, weil es an Personal auf den Baustellen fehlt. Viele Betriebe im Bauhandwerk arbeiten am Limit – vorhandene Mitarbeiter schieben Überstunden, um die Aufträge abzuarbeiten. Auch im Ausbauhandwerk (Elektroinstallation, Sanitär, Heizung/Klima) gibt es einen Generationswechsel, der zu Lücken führt: Zahlreiche Meister und Gesellen nähern sich dem Rentenalter, doch der Nachwuchs reicht nicht aus, um alle zu ersetzen. Die duale Ausbildung im Handwerk verzeichnen zwar stabile Anfängerzahlen, aber es entscheiden sich generell immer weniger junge Menschen für handwerkliche Berufe. Gründe sind unter anderem die körperliche Anstrengung, oft weniger flexible Arbeitszeiten und – im Vergleich zu akademischen Berufen – teils niedrigere Einstiegsgehälter. Die Folge des Fachkräftemangels im Handwerk ist im Alltag spürbar: Kundentermine verzögern sich, Wartezeiten auf Handwerker werden länger und die Kosten für Handwerksleistungen steigen durch die knappe Verfügbarkeit. Die Handwerkskammer Freiburg mahnt daher umfangreiche Maßnahmen an – von der Imagekampagne für das Handwerk über mehr Weiterbildungsangebote bis zur gezielten Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, um die Lücken zu schließen. Positiv hervorzuheben ist, dass viele Betriebe verstärkt in die Ausbildung investieren und junge Gesellinnen und Gesellen attraktive Karrierewege (bis hin zum Meisterbrief) aufgezeigt bekommen, um die Attraktivität der Branche zu steigern.
Gastgewerbe und Einzelhandel - Schwierige Personalsuche im Service-Sektor
Der Tourismus boomt in Freiburg – jährlich besuchen Millionen Gäste die Stadt, was Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel florierende Geschäfte beschert. Diese Branchen sind allerdings besonders stark vom Personalmangel betroffen. Nach den schwierigen Pandemie-Jahren hat zwar ein Großteil der Betriebe wieder volle Auftragsbücher, doch es fehlt an Personal, um die Nachfrage zu bewältigen. Viele Restaurants und Cafés finden kaum genug Köchinnen, Servicekräfte oder Hotelangestellte. In einigen Fällen müssen Öffnungszeiten reduziert oder Ruhetage eingeführt werden, weil schlicht kein Ersatz für offene Stellen gefunden wird. Ähnlich im Einzelhandel: Gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit suchen viele Läden Aushilfen und Verkäufer – doch geeignete Bewerber sind rar. Branchenkenner berichten, dass zahlreiche Fach- und Servicekräfte der Gastronomie während Corona in andere Berufsfelder abgewandert sind und nun nicht zurückkehren. Zudem gelten die Arbeitsbedingungen in dieser Branche als anspruchsvoll: Schichtdienste, Wochenendarbeit und vergleichsweise niedrige Löhne schrecken viele Jobsuchende ab. Das Resultat ist, dass auch Kunden die Auswirkungen spüren: Es kommt zu längeren Wartezeiten, reduziertem Serviceangebot oder zeitweise geschlossenen Hotelbereichen (z.B. nicht alle Zimmer belegbar mangels Reinigungspersonal). Südbaden ist hiervon überdurchschnittlich betroffen, da hier Tourismus und Gastronomie eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig gibt es in Städten wie Freiburg ein reichhaltiges Angebot an Restaurants und Geschäften, die alle um Arbeitskräfte konkurrieren. Vertreter der Branche – etwa DEHOGA Baden-Württemberg – fordern daher bessere Rahmenbedingungen: attraktivere Ausbildungsmodelle, vereinfachte Visa-Prozesse für ausländische Servicekräfte und eine generelle Aufwertung von Gastro- und Verkaufsberufen im öffentlichen Ansehen. Immerhin: Der Boom im Tourismus hat auch positive Effekte. Freiburgs Tourismusbeauftragte betonen, dass der Zustrom an Gästen viele Arbeitsplätze sichert und zur Wirtschaftskraft beiträgt (Mehr zum Thema Tourismus in Freiburg lesen Sie hier). Langfristig wird jedoch nur eine Mischung aus besseren Arbeitsbedingungen, Ausbildungsoffensiven und eventuell technologischen Hilfen (Stichwort Service-Roboter oder Self-Checkout im Handel) den Personalmangel im Dienstleistungssektor lindern können.
Gegensteuerung notwendig, um Wachstum zu sichern
Freiburgs Arbeitsmarkt zeigt exemplarisch, vor welchen Herausforderungen viele Regionen in Deutschland stehen. Nahezu alle Branchen suchen Personal, doch insbesondere im Gesundheitswesen, der Bildung, der IT, im Handwerk sowie in Gastronomie und Handel ist der Bedarf an Mitarbeiter*innen besonders hoch. Die Ursachen sind vielfältig: Der demografische Wandel führt dazu, dass viele Erwerbstätige in Rente gehen, während weniger junge Leute nachrücken. Gleichzeitig erfordern Digitalisierung und Klimawende neue Fachrichtungen und Qualifikationen, die auf dem Arbeitsmarkt noch rar sind. Hinzu kommen regionale Faktoren wie die attraktive, aber teure Lebensumgebung in Freiburg – hohe Mieten und begrenzter Wohnraum machen es schwer, neue Arbeitskräfte von außerhalb anzuziehen. Die Konsequenz des Fachkräftemangels ist bereits spürbar: Projekte verzögern sich, öffentliche Dienstleistungen geraten unter Druck und Unternehmen müssen Aufträge ablehnen oder ihre Öffnungszeiten einschränken. Um gegenzusteuern, sind verschiedene Ansätze nötig. Zum einen setzen Stadt und Land auf Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensiven, um mehr Menschen für die gefragten Berufe zu gewinnen – sei es durch berufliche Umschulungen, bessere Bezahlung in Mangelberufen oder Imagekampagnen (etwa für Pflege- und Erzieherberufe). Zum anderen wird verstärkt auf Fachkräfteeinwanderung gesetzt: Mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland leichter nach Deutschland – und auch nach Freiburg – kommen können. Unternehmen der Region kooperieren zudem mit Hochschulen, um Absolventen vor Ort zu halten, und verbessern Arbeitsbedingungen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Nicht zuletzt spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Rolle: Angebote wie flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle und Kinderbetreuung sollen mehr Menschen den (Wieder)Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob diese Maßnahmen greifen. Klar ist jedoch, dass ohne Gegenmaßnahmen der Fachkräftemangel das wirtschaftliche Wachstum und die Lebensqualität in einer prosperierenden Stadt wie Freiburg bremsen könnte. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefordert, gemeinsam Lösungen zu finden, damit Freiburgs Aufschwung nicht am Personalengpass scheitert.
Quellen:
- Bundesagentur für Arbeit – Presseinfo Arbeitsmarkt Freiburg, Oktober 2025
- Regierungspräsidium Freiburg – Pressemitteilung zum Lehrereinstellung, 11.09.2025
- Bitkom – Presseinformation Fachkräftemangel IT, 13.12.2023
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) – Studie Fachkräftelücke nach Branchen, 2024
- Stadt Freiburg / goodnews4.de – „Wohnraum für Pflegekräfte“ Kampagne, 07.06.2023
