Gefährliche Pillen im Online-Handel
Gefährliche Pillen im Online-Handel, Foto: Pixabay

Immer mehr Menschen bestellen Medikamente online. Die Uniklinik Freiburg warnt nun eindringlich vor falsch deklarierten Tabletten, die lebensgefährlich sein können. Ein aktueller Fall zeigt, wie groß das Risiko ist.

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Rosafarbene Tabletten mit falschem Etikett

Die betroffenen Tabletten wurden in einer durchsichtigen Zip-Tüte geliefert. Auf dem Etikett stand „Alprazolam Triazolobenzophenone Pellets I 1 mg“. Laut Aufschrift sollten sie Benzodiazepin-Prodrugs enthalten. In der Schweiz und in den USA wird das Präparat unter dem Namen Xanax vertrieben. Es gilt als stark abhängig machend.

Die Experten der Uniklinik Freiburg analysierten die Tabletten. Anstelle von Benzodiazepin fanden sie Cyclorphin, ein hochwirksames Opioid. Bereits kleinste Mengen können lebensbedrohlich sein. Auffällig ist, dass dieser Wirkstoff bislang nicht gesetzlich reguliert ist.

Warnung von Volker Auwärter

Volker Auwärter, Leiter der Forensischen Toxikologie des Universitätsklinikums Freiburg, bewertet den Fall als Hinweis auf eine gefährliche Entwicklung. In den letzten Jahren nahm die Zahl tödlicher Zwischenfälle durch synthetische Opioide in Deutschland deutlich zu.

Die Uniklinik Freiburg hat bereits mehrere Todesfälle untersucht. In allen Fällen führte die Einnahme falsch deklarierter Substanzen zur Vergiftung. Dies unterstreicht, wie unkontrollierbar die Gefahr beim Online-Kauf solcher Präparate ist.

Zahlen aus Baden-Württemberg

Die Landeskriminalstatistik zeigt einen deutlichen Anstieg der Drogentoten. 2023 lag die Zahl bei 141. 2024 stieg sie auf 195 – der höchste Wert seit 20 Jahren. Ein Teil dieser Todesfälle hängt mit synthetischen Opioiden zusammen.

Die wichtigsten Daten im Überblick:

  1. 141 Drogentote im Jahr 2023
  2. 195 Drogentote im Jahr 2024
  3. Zunahme um 54 Fälle innerhalb von 12 Monaten

Forderung nach Drug Checking

Die Uniklinik Freiburg fordert die Einführung eines sogenannten Drug Checking in Baden-Württemberg. Dabei können Konsumierende ihre Drogen chemisch analysieren lassen. Ziel ist es, gefährliche Beimischungen oder falsche Deklarationen frühzeitig zu erkennen.

Drug Checking gibt es in Deutschland bisher nur als Pilotprojekte in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. In 13 weiteren europäischen Ländern – darunter die Schweiz und die Niederlande – gehört dieses Angebot bereits zum festen Bestandteil der Drogenhilfe.

Die Experten warnen: Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen steigt die Gefahr weiterer tödlicher Vergiftungen durch falsche Tabletten aus dem Internet.

 Quelle: SWR