Opfer von Sexualdelikten, Körperverletzungen und häuslicher Gewalt erhalten in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Stuttgart Unterstützung, auch wenn sie zunächst keine Strafanzeige stellen. Die speziellen Gewaltambulanzen dokumentieren Verletzungen vertraulich und ermöglichen Betroffenen mehr Handlungsspielraum.
Inhaltsverzeichnis:
- Ulrike Schmidt und die Uniklinik Freiburg
- Gewaltambulanzen in Heidelberg, Ulm und Stuttgart
- Folgen von Gewalt und fehlende Anzeigen
- Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg
- Mehr Handlungsspielraum für Betroffene
Ulrike Schmidt und die Uniklinik Freiburg
An der Universitätsklinik Freiburg leitet Ulrike Schmidt die Untersuchungsstelle für Gewaltbetroffene. Dort werden vor allem äußerlich sichtbare Verletzungen sorgfältig dokumentiert. Im Jahr 2024 wurden in Freiburg rund 10 Fälle pro Monat registriert. Zahlen für 2025 liegen bisher nicht vor.
Die Einrichtung wird immer häufiger genutzt. Besonders wichtig ist, dass Betroffene durch die Dokumentation Zeit gewinnen, um eine mögliche Anzeige zu überdenken. Häufig werden die Unterlagen auch für zivilrechtliche Verfahren benötigt.
Gewaltambulanzen in Heidelberg, Ulm und Stuttgart
Neben Freiburg gibt es weitere Anlaufstellen.
- Heidelberg: Gewaltambulanz an der Universitätsklinik
- Ulm: Gewaltambulanz an der Universitätsklinik
- Stuttgart: Außenstelle der Heidelberger Klinik seit Ende 2023
Damit verfügt der Südwesten über ein engmaschiges Netz an Einrichtungen, die Opfern vertrauliche Hilfe bieten.
Folgen von Gewalt und fehlende Anzeigen
Viele Opfer melden die Taten nicht sofort. Die Dokumentation von Verletzungen schafft jedoch Beweise, ohne dass sofort eine Anzeige erfolgen muss. Dadurch bleibt die Entscheidung allein bei den Betroffenen.
Ulrike Schmidt berichtet, dass die Unterlagen nicht nur für Strafverfahren, sondern auch für andere rechtliche Schritte genutzt werden. Die Gewaltambulanzen haben so eine doppelte Funktion: medizinische Sicherung und juristische Absicherung.
Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg
Das Sozialministerium stellte im Jahr 2024 knapp 1 Million Euro für die Gewaltambulanzen bereit.
- Kostenübernahme bei gesetzlich Versicherten durch die Krankenkassen
- Vertrauliche Abwicklung – die Kassen erfahren nicht, wem geholfen wird
- Keine Pflicht zur sofortigen Anzeige
Vor der Einrichtung der Ambulanzen mussten Opfer direkt nach einer Tat eine Anzeige stellen, um Spuren sichern zu lassen. Heute ist dies nicht mehr nötig, was den Zugang zur Hilfe erheblich erleichtert.
Mehr Handlungsspielraum für Betroffene
Die Gewaltambulanzen in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Stuttgart geben Betroffenen Sicherheit und Zeit. Sie ermöglichen eine vertrauliche Dokumentation, die später vor Gericht oder im Zivilverfahren entscheidend sein kann. Damit hat das Land Baden-Württemberg ein System geschaffen, das Opfern von Gewalt mehr Selbstbestimmung bietet.
Quelle: Die Zeit
