Eine neue Untersuchung zeigt deutliche Kritik am Lehramtsstudium in Baden-Württemberg. 81 Prozent der befragten Studierenden sehen zu viel Theorie und zu wenig Praxis in ihrer Ausbildung. Viele wünschen sich einen früheren Einstieg in den Unterrichtsalltag.
Inhaltsverzeichnis:
- Ergebnisse der VBE-Studie
- Stimmen von Studierenden wie Laetitia Pankow
- Reaktion von Wissenschaftsministerin Petra Olschowski
- Pädagogische Hochschulen im Land
Ergebnisse der VBE-Studie
Die Befragung wurde vom Bildungsverband VBE in Auftrag gegeben und vom Sinus-Institut durchgeführt. Insgesamt nahmen 847 Studierende der Pädagogischen Hochschulen sowie 357 Referendarinnen und Referendare teil. Die Auswahl gilt als repräsentativ für die Lehramtsstudierenden an Pädagogischen Hochschulen im Land.
Die Ergebnisse im Überblick:
- 81 Prozent empfinden zu wenig Praxisanteile.
- Zwei Drittel wollen schon früher praktische Erfahrungen sammeln.
- Mehr als 50 Prozent fühlen sich unzureichend vorbereitet auf schwieriges Schülerverhalten.
- 8 von 10 geben an, für die Zusammenarbeit mit Sozialen Diensten nicht gerüstet zu sein.
Gut vorbereitet fühlen sich die Studierenden hingegen bei der altersgerechten Vermittlung von Inhalten, im Umgang mit digitalen Medien und bei der Planung von Unterrichtsstunden.
Stimmen von Studierenden wie Laetitia Pankow
Laetitia Pankow studiert an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Auch sie berichtet von einem starken Übergewicht theoretischer Seminare. Sie beschreibt die Inhalte oft als „sehr trockene Theorie“ und kann sich ein duales Studium mit regelmäßigem Wechsel von Praxis und Theorie vorstellen.
Die Kritik der Studierenden richtet sich nicht gegen die Inhalte an sich, sondern gegen das Verhältnis von Theorie und Praxis. Viele empfinden die praktische Ausbildung als zu spät beginnend und zu kurz.
Reaktion von Wissenschaftsministerin Petra Olschowski
Wissenschaftsministerin Petra Olschowski von den Grünen erkennt den Wunsch der Studierenden an, zeigt sich jedoch vorsichtig. Sie erklärt, dass ein größerer zeitlicher Abstand zum eigenen Schülerleben den Rollenwechsel ins Lehramt erleichtern könne. Gleichzeitig schließt sie nicht aus, die Praxisphasen auszuweiten, da der Bedarf offensichtlich sei.
Olschowski betont, dass das Anliegen der Studierenden ernst genommen werde. Ein schneller Einstieg in den Schulalltag müsse aber sorgfältig geprüft werden, um die Qualität der Ausbildung zu sichern.
Pädagogische Hochschulen im Land
In Baden-Württemberg gibt es sechs Pädagogische Hochschulen in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten. Dort werden künftige Lehrkräfte für Grundschulen, Gemeinschaftsschulen, Hauptschulen, Realschulen, Sonderschulen und berufliche Schulen ausgebildet. Lehrkräfte für Gymnasien studieren dagegen an den Universitäten des Landes.
Die Ergebnisse der Befragung liefern eine klare Grundlage für mögliche Anpassungen. Ob die Praxisanteile tatsächlich ausgeweitet werden, hängt nun von weiteren politischen Entscheidungen ab.
Quelle: SWR
