Neue Hoffnung für Alzheimer-Patienten in Freiburg
Neue Hoffnung für Alzheimer-Patienten in Freiburg, Foto: Pixabay

In Freiburg wird seit September 2025 ein neues Medikament gegen Alzheimer eingesetzt. Es heißt Lecanemab und soll das Fortschreiten der Krankheit deutlich verlangsamen. Das Mittel ist in Deutschland und Österreich als erstes in der Europäischen Union verfügbar.

Inhaltsverzeichnis:

Zulassung durch die Europäische Kommission

Im Frühjahr 2025 erteilte die Europäische Kommission die Genehmigung für den Wirkstoff. Seit Ende August ist er in Österreich und seit dem 1. September in Deutschland erhältlich. Damit gehören beide Länder zu den ersten Staaten in der EU mit Zugang zu dieser Therapie. Die Uniklinik Freiburg gehört zu den Kliniken, die Lecanemab bereits einsetzen.

Wichtige Eckdaten

  • Zulassung: Frühjahr 2025
  • Verfügbarkeit: ab Ende August in Österreich, ab 1. September in Deutschland
  • Zielgruppe: Menschen mit leichten kognitiven Störungen (MCI) oder im Frühstadium von Alzheimer
  • Erwarteter Effekt: Verlangsamung des Fortschreitens um bis zu 27 Prozent

Wirkungsweise von Lecanemab

Lecanemab richtet sich gegen Eiweißablagerungen im Gehirn. Diese sogenannten Plaques gelten als Auslöser der Erkrankung. Das Medikament löst die Ablagerungen auf und verzögert dadurch den geistigen Abbau. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Symptome um bis zu 27 Prozent langsamer fortschreiten. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das rund ein halbes Jahr zusätzliche Stabilität.

Jonas Hosp, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie der Uniklinik Freiburg, betont den frühen Einsatz. Je früher die Therapie beginnt, desto mehr gesunde Lebenszeit kann gewonnen werden. Heinz Wiendl, Ärztlicher Direktor derselben Klinik, unterstreicht den Nutzen für Betroffene und Angehörige.

Ablauf der Behandlung in Freiburg

Die Therapie erfolgt durch Infusionen. Alle zwei Wochen erhalten Erkrankte das Medikament über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren. Die Verabreichung erfolgt ambulant im Krankenhaus. Parallel dazu finden regelmäßige Kontrolluntersuchungen statt.

Über Magnetresonanztomographie können mögliche Nebenwirkungen wie lokale Entzündungen, kleine Blutungen oder weitere Veränderungen im Gehirn frühzeitig erkannt werden. Ein kontinuierliches Monitoring ist Teil der Behandlung.

Das Medikament wird über anderthalb Jahre verabreicht
Das Medikament wird über anderthalb Jahre verabreicht, Foto: Pixabay

Wer kann behandelt werden

Für die Anwendung ist eine exakte Diagnose notwendig. Krankhafte Eiweißablagerungen müssen durch Tests nachgewiesen werden. Patienten mit hohem Risiko für Nebenwirkungen sind ausgeschlossen.

In Deutschland leben etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, davon rund zwei Drittel mit Alzheimer. Nach Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) könnten höchstens 73.000 Menschen bundesweit für die Therapie infrage kommen.

Neue Bluttests mit Biomarkern sollen die Diagnose zukünftig erleichtern und beschleunigen. Dennoch bleibt die Zahl der Betroffenen, die behandelt werden können, begrenzt.

Weitere Bausteine der Therapie

Lecanemab ersetzt nicht bestehende Ansätze. Kognitive Trainings, körperliche Bewegung und soziale Unterstützung bleiben weiterhin wichtige Bestandteile jeder Behandlung. Die Uniklinik Freiburg betont, dass nur eine Kombination verschiedener Methoden den größtmöglichen Nutzen für Betroffene bringen kann.

 Quelle: SWR, YouTube