Radinfrastruktur
Radinfrastruktur, Foto: pixabay

Der Radverkehr in Freiburg nimmt stark zu – doch die Infrastruktur kommt kaum hinterher. Immer mehr Menschen steigen auf das Fahrrad um. Lastenräder, Fahrradanhänger, Rennräder und Pedelecs prägen das Stadtbild. Das hat Folgen: Die Radwege werden voller, die Geschwindigkeit steigt und die Zahl der Unfälle nimmt zu. Polizei, Stadtverwaltung und Verbände reagieren mit gezielten Maßnahmen.

Unfallzahlen steigen trotz Rückgang im Jahresvergleich

Rund ein Drittel aller Wege in Freiburg wurden 2023 mit dem Fahrrad zurückgelegt. Damit führt Freiburg bundesweit. Fast jeder zweite Berufstätige nutzt das Rad für den Arbeitsweg. Auch die Nutzung von Pedelecs wächst: 5 % aller Wege in der Stadt werden mittlerweile mit elektrisch unterstützten Fahrrädern gefahren. Das entspricht einem deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

2024 war in Freiburg bei etwa jedem dritten Verkehrsunfall ein Fahrrad oder Pedelec beteiligt. Insgesamt wurden 93 Menschen schwer verletzt, drei starben. Zwar gab es im Vergleich zu 2023 einen leichten Rückgang der absoluten Unfallzahlen, doch der langfristige Trend zeigt eine Zunahme von Pedelec-Unfällen. Die Polizei führt das auf mehrere Faktoren zurück:

  1. Zunehmende Verkehrsdichte auf den Radwegen

  2. Mehr ältere Menschen auf dem Fahrrad durch Pedelec-Technologie

  3. Fehlende Fahrpraxis bei vielen Neu- und Wiedereinsteigern

Insbesondere Kreuzungen stellen ein hohes Risiko dar. Fehler beim Abbiegen, Missachtung der Vorfahrt und unübersichtliche Einfahrtsbereiche zählen laut Polizei zu den häufigsten Unfallursachen. Die Innenstadt gilt dabei als besonders gefährdetes Gebiet, auch wenn sich kein einzelner Unfallschwerpunkt isolieren lässt. Die Mischung aus dichter Bebauung, hohem Verkehrsaufkommen und komplexen Verkehrsführungen verstärkt das Risiko.

ADFC fordert neue Standards für die Infrastruktur

Frank Borsch vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) sieht dringenden Handlungsbedarf. Seiner Einschätzung nach wächst der Radverkehr schneller als die Infrastruktur. Er nennt drei Hauptforderungen, um das Risiko für Radfahrende zu senken:

  • Rotmarkierung aller Radwege an Kreuzungen zur besseren Sichtbarkeit

  • Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften

  • Ausbau von Fahrradstraßen im gesamten Stadtgebiet

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Sichtbarkeit. Laut ADFC sind viele Unfälle vermeidbar, wenn Radfahrende besser erkannt würden – sowohl durch bauliche Maßnahmen als auch durch Tempodrosselung im Mischverkehr. Borsch lobt die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, weist jedoch darauf hin, dass bestehende gesetzliche Regelungen flächendeckende Änderungen erschweren.

Auch die Verbreiterung bestehender Wege steht auf der Agenda. So fordert der ADFC den Ausbau des vielbefahrenen FR1-Radwegs auf Höhe der Brauerei Ganter. Der Fortschritt sei jedoch oft durch private Grundstücke blockiert, was eine Umsetzung verzögere oder ganz verhindere.

Neue Fahrradstaffel der Polizei im Einsatz

Am 1. Mai 2025 wurde in Freiburg eine spezialisierte Fahrradstaffel der Polizei gegründet. Ziel ist es, gezielt Unfallschwerpunkte zu erkennen, Maßnahmen vorzuschlagen und Präventionsarbeit zu leisten. Diese neue Einheit ergänzt bestehende Konzepte:

  • Verkehrserziehung in Schulen

  • Helmkampagnen

  • Stichprobenartige Kontrollen im Stadtgebiet

Das Polizeipräsidium betont die enge Zusammenarbeit mit der Stadt. Gemeinsam werden Unfallschwerpunkte erfasst, analysiert und an die zuständigen Behörden weitergegeben. Ein ganzheitlicher Ansatz soll langfristig die Zahl schwerer Unfälle senken.

Stadt investiert in neue Projekte

Freiburg erkennt den Handlungsbedarf und hat bereits erste Maßnahmen umgesetzt. So wurde die gefährliche Kreuzung am südlichen Greiffeggring mit der Zufahrt zur B31 umgebaut. Dort sorgt nun eine neue Spuraufteilung für mehr Klarheit im Verkehr. Auch die Querung der Habsburgerstraße an der Einmündung zur Okenstraße wird derzeit überarbeitet.

Seit 2021 ist Freiburg zudem Teil des Forschungsprojekts „Sicheres Radfahren in gemeinsam genutztem Straßenraum“ der Bundesanstalt für Straßenwesen. Zwei Modellstraßen – die Zähringer Straße und die Kirchzartener Straße – dienen dabei als Testfeld. Dort werden innovative Maßnahmen erprobt, etwa neue Verkehrsführungen, Beschilderungen und bauliche Trennungen zwischen Verkehrsteilnehmenden.

Kontinuierlicher Ausbau bleibt entscheidend

Freiburg gilt bundesweit als Vorreiter im Radverkehr. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch deutlich, dass der Erfolg auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Die Infrastruktur muss mit dem Wachstum Schritt halten. Breitere Wege, klarere Markierungen und reduzierte Geschwindigkeiten sind zentrale Punkte.

Viele Maßnahmen sind bereits in Umsetzung oder Planung. Die Stadt, Polizei und Verkehrsverbände ziehen an einem Strang. Doch langfristig braucht es auch Änderungen auf gesetzlicher Ebene, um stadtweite Verbesserungen wirksam umzusetzen. Nur so kann Freiburg die Vision einer sicheren und nachhaltigen Fahrradstadt erreichen – für alle Altersgruppen und Fahrradtypen.

 Quelle: SWR