Ein neues Kapitel der Zusammenarbeit zwischen Freiburg und Lwiw beginnt mit einem ehrgeizigen Projekt: dem Bau eines Traumazentrums für Kriegsversehrte. Die ukrainische Stadt erhält nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch tatkräftige Solidarität. Fast 1.000.000 Euro stammen allein aus Freiburg. Das Zentrum „Maisternia“ soll Kriegsopfern helfen, ihre seelischen Verletzungen zu verarbeiten – mit kreativen Mitteln. Die Grundsteinlegung erfolgt am Montag.
Inhaltsverzeichnis:
- Unterstützung aus Freiburg erreicht Lwiw
- Zentrum „Maisternia“ mit Kunsttherapie und Ateliers
- Martin Horn und Andrij Sadowyj bei der Grundsteinlegung
- Freundschaft in Zeiten des Krieges
Unterstützung aus Freiburg erreicht Lwiw
Freiburg investiert rund 1.000.000 Euro in das Traumazentrum „Maisternia“ in Lwiw. Die Mittel stammen aus dem städtischen Haushalt sowie von engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Über 60.000 Euro wurden privat gesammelt, anschließend von der Stadt auf knapp 120.000 Euro verdoppelt. Zusätzlich trugen Initiativen aus Kultur, Sport und Justiz zur Finanzierung bei. Unter den Unterstützern waren der ehemalige SC-Freiburg-Trainer Christian Streich, Musiker Rüdiger Linhof sowie Oberstaatsanwalt Klaus Hoffmann.
Bei einem zentralen Spendenabend im St. Ursula-Gymnasium wurde nicht nur gesammelt, sondern auch informiert. Live-Schalten nach Charkiw und persönliche Berichte boten authentische Einblicke in das Leben im Kriegsgebiet. Die große Resonanz zeigt, wie tief die Verbindung zwischen den beiden Partnerstädten inzwischen ist.
Zentrum „Maisternia“ mit Kunsttherapie und Ateliers
Das neue Traumazentrum „Maisternia“ entsteht in einem ehemaligen Heizwerk in Lwiw, das derzeit umfassend renoviert wird. Der Name bedeutet auf Ukrainisch „Werkstatt“. Das Konzept basiert auf dem „Unbroken“-Ansatz, der psychisch und physisch verletzten Menschen durch künstlerische und psychosoziale Unterstützung helfen soll.
Im Fokus steht Kunsttherapie. Soldaten, Veteranen und ihre Familien sollen dort die Möglichkeit erhalten, über kreative Tätigkeiten wie Keramik oder Bildhauerei innere Stabilität wiederzugewinnen. Es entstehen:
- voll ausgestattete Ateliers
- eine Fachbibliothek
- Räume für Workshops und Vorträge
- ein Ort der internationalen Vernetzung
Neben individueller Betreuung wird auch auf den kollektiven Austausch gesetzt. So soll nicht nur die Genesung Einzelner, sondern auch eine widerstandsfähige Gesellschaft gefördert werden.
Martin Horn und Andrij Sadowyj bei der Grundsteinlegung
Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn reist zur feierlichen Grundsteinlegung persönlich nach Lwiw. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Andrij Sadowyj wird er das Projekt offiziell einleiten. Auch Kriegsversehrte, Angehörige sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft nehmen teil.
„Maisternia“ ist nicht das erste Projekt, das Freiburg in Lwiw unterstützt. Bereits 2022 spendete die Stadt 500.000 Euro für das Krankenhaus „Unbroken“. Zum Dank wurde ein Stockwerk nach Freiburg benannt. Insgesamt hat Freiburg bislang 2,5 Millionen Euro zur Unterstützung der Ukraine bereitgestellt.
Freundschaft in Zeiten des Krieges
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat sich die Partnerschaft zwischen Freiburg und Lwiw weiter intensiviert. Schon 1989 wurde die Städtepartnerschaft geschlossen, doch seit 2022 erhält Lwiw gezielte Hilfe. Rund 250.000 Geflüchtete sind in die relativ sichere Westukraine geflohen. Die Stadt Freiburg reagierte mit Soforthilfe: Generatoren, Medikamente und medizinisches Gerät wurden organisiert und geliefert.
Heute liegt der Schwerpunkt auf nachhaltigem Wiederaufbau – insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit. Projekte wie „Maisternia“ markieren einen strategischen Wandel von akuter Hilfe hin zu langfristiger Stärkung. Lwiw wird so nicht nur zum Rückzugsort, sondern zum Zentrum der Genesung.
Mit dem Traumazentrum „Maisternia“ entsteht in Lwiw ein Ort der Hoffnung, ermöglicht durch Spenden, Solidarität und Zusammenarbeit. Die Unterstützung aus Freiburg zeigt, wie wirksam Städtepartnerschaften in Krisenzeiten sein können.
Quelle: SWR
