Wartezeit belastet Patienten
Wartezeit belastet Patienten, Pexels/Foto illustrativ

Ein medizinischer Verdacht kann für Betroffene sofort das Leben verändern. Besonders bei Krebs bedeutet er für viele Menschen Unsicherheit und Anspannung. Bis zur endgültigen Diagnose und Behandlung vergehen oft mehrere Wochen. Das Warten ist für Patientinnen und Patienten eine zusätzliche Belastung.

Inhaltsverzeichnis:

Petra Domberg und der Brustkrebs

Bei Petra Domberg wurde Anfang Oktober 2021 im Rahmen einer Routineuntersuchung der Verdacht auf Brustkrebs festgestellt. Die 61-Jährige wollte sofort handeln. Doch bis zur Operation vergingen acht Wochen. Grund dafür waren unter anderem Streiks in den Kliniken. Für die Betroffene war diese Zeit geprägt von Angst vor einer möglichen Metastasierung.

Der Fall von Domberg ist kein Einzelfall. Beratungsstellen berichten regelmäßig von Betroffenen, die über ähnliche Verzögerungen klagen. Viele von ihnen wenden sich mit Sorgen an Einrichtungen im ganzen Land.

Klaus Hönig und die Beratungsstellen in Ulm

Laut Klaus Hönig von der Krebsberatungsstelle in Ulm melden sich immer mehr Patientinnen und Patienten, die über lange Wartezeiten klagen. Offizielle Statistiken fehlen, doch der Trend sei klar erkennbar. Die Wartezeiten scheinen länger geworden zu sein, was zu wachsender Unzufriedenheit führt.

Die Beratungsstellen berichten, dass sich die Betroffenen dadurch nicht nur medizinisch, sondern auch psychisch stark belastet fühlen. Es gehe um Angst, Unsicherheit und das Gefühl, im System vergessen zu werden.

Kliniken in Freiburg und Tübingen

Das Universitätsklinikum Freiburg weist darauf hin, dass mehrere Wochen zwischen Diagnose und Operation nicht ungewöhnlich sind. Die Dringlichkeit einer Behandlung hängt stark von der Krebsart ab. Hochakute Fälle werden sofort behandelt, bei Brustkrebs müssen Patientinnen jedoch häufig warten.

Heike Sütterlin von der Krebsberatungsstelle in Tübingen beschreibt die Situation als zermürbend. Betroffene durchlaufen viele Etappen: Verdacht, Biopsie, Diagnose und schließlich Operation. Jede Verzögerung ist mit Ängsten verbunden.

Gründe für Verzögerungen in Stuttgart und Freiburg

Die Kliniken nennen mehrere Ursachen für die langen Abläufe. Dazu gehören:

  • Mangel an qualifiziertem Personal
  • Begrenzte Zahl an Therapieplätzen
  • Komplexe Diagnostik mit mehreren Untersuchungen
  • Beteiligung verschiedener Fachrichtungen

Erst wenn alle Befunde vorliegen, kann eine gezielte Behandlung beginnen. Das führt zwangsläufig zu Wartezeiten, die für Patientinnen und Patienten schwer auszuhalten sind.

Forschung in Mannheim bringt neue Perspektiven

In Mannheim arbeiten Wissenschaftler seit Jahren an einem Projekt, das Hoffnung macht. Unter dem Titel M2OLIE wird daran geforscht, Diagnose und Behandlung innerhalb von acht Stunden zu ermöglichen. Bis 2029 soll eine eigene Klinik entstehen, die diesen Prozess in die Praxis umsetzt. Das Projekt ist inzwischen in der dritten Förderphase.

Für Betroffene wie Petra Domberg könnte dies eine große Erleichterung sein. Schon wenige Tage weniger Wartezeit würden die psychische Belastung deutlich senken.

Hoffnung für die Zukunft

Die Realität in Baden-Württemberg zeigt, dass Wartezeiten für Krebspatientinnen und Patienten zum Alltag gehören. Beratungsstellen, Kliniken und Forschungseinrichtungen suchen nach Lösungen. Das Mannheimer Projekt eröffnet die Möglichkeit, in den kommenden Jahren eine deutlich schnellere Versorgung zu erreichen.

Obwohl Betroffene wie Petra Domberg noch lange auf ihre Operation warten mussten, entsteht damit eine Perspektive, die vielen Menschen neue Hoffnung gibt.

 Quelle: SWR