Die Stadt Freiburg hat zum Jahresbeginn eine neue Abgabe eingeführt. Sie betrifft Einwegverpackungen im Gastronomiebereich. Erste Tage der Umsetzung zeigen ungewöhnliche Reaktionen im Alltag. Ziel bleibt eine messbare Reduzierung von Müll im Stadtgebiet.
Inhaltsverzeichnis:
- Gestutzte gabeln auf dem Münstermarkt
- Klaus von Zahn und die Ziele der Stadt
- Tim Cordell und der bürokratische Aufwand
- Steuerfreie doggy bags
- Erfahrungen aus Tübingen und Konstanz
Seit dem 1. Januar erhebt Freiburg eine Verpackungssteuer auf Einweggeschirr. 50 Cent werden für Becher und Boxen fällig, 20 Cent für Einwegbesteck. Die Abgabe gilt für Speisen und Getränke zum Mitnehmen. Die Regelung basiert auf einem Gemeinderatsbeschluss und soll das Müllaufkommen senken. Der Schritt reiht sich ein in neue Regeln zum Jahresbeginn, die mehrere Lebensbereiche betreffen.
Gestutzte gabeln auf dem Münstermarkt
Auf dem Freiburger Münstermarkt nutzt der Törtchen- und Kuchenhersteller Matthäus Wenzlik einen rechtlichen Spielraum. Er verkauft vegane Backwaren. Holzgabeln mit einer Länge von höchstens 10 Zentimetern sind von der Steuer ausgenommen. Wenzlik kürzt deshalb seine Gabeln um einige Zentimeter. Das Vorgehen dokumentierte er in einem Video auf seinem Instagram-Kanal. Hintergrund ist eine bewusst großzügige Regelung der Stadt, damit kleine Pommespicker oder Eislöffel steuerfrei bleiben. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch dort, wo sich die Verpackungssteuer ausweitet.
Klaus von Zahn und die Ziele der Stadt
Klaus von Zahn, Leiter des Freiburger Umweltschutzamtes, bewertet solche Einzelfälle gelassen. Er stellt die Verpackungssteuer trotz einzelner Umgehungen nicht infrage. Nach Angaben des Amtes werden in Freiburg täglich rund 20.000 Coffee-to-go-Becher genutzt und anschließend entsorgt. Diese Zahl gilt als zentraler Ausgangspunkt für die Maßnahme. Die Steuer soll den Verbrauch von Einwegmaterialien spürbar reduzieren und steht im Zusammenhang mit weiteren kommunalen Vorgaben, mehr hier.
Tim Cordell und der bürokratische Aufwand
Der Cafébetreiber Tim Cordell betreibt ein Café im Osten der Stadt. Er empfindet die neuen Vorgaben als komplex. Cordell ruft seine Kundinnen und Kunden dazu auf, eigenes Geschirr mitzubringen. Dadurch entfällt die Steuer. Gleichzeitig setzt er auf Mehrwegsysteme. Die Umstellung des Kassensystems wäre nach seinen Angaben aufwendig. Bereits ohne Verpackungssteuer variiert die Mehrwertsteuer beim Cappuccino. Mit Hafermilch fallen 19 Prozent, mit Kuhmilch 7 Prozent an. Kuhmilch gilt in Deutschland als Grundnahrungsmittel. Cordell hat deshalb sein Angebot angepasst. Warme Speisen, die nicht in Mehrwegbehältern ausgegeben werden können, wurden aus dem Sortiment genommen.
Steuerfreie doggy bags
Nicht jede Einwegverpackung unterliegt der Abgabe. Sogenannte „doggy bags“ sind steuerfrei. Gäste dürfen Essensreste unbesteuert mitnehmen, wenn sie ursprünglich im Restaurant gegessen haben. Diese Regelung eröffnet weitere Schlupflöcher. Nach Angaben von Cordell können Gäste vor Ort bestellen, einen Teil essen und den Rest anschließend ohne Steuer einpacken lassen. Die Speisen bleiben warm, zusätzliche Kosten entstehen nicht.
Erfahrungen aus Tübingen und Konstanz
Freiburg folgt dem Beispiel von Tübingen. Die Stadt führte die Verpackungssteuer Anfang 2022 ein. Allein im Jahr 2022 nahm Tübingen rund 950.000 Euro ein. Auch Konstanz erhebt seit 2025 eine entsprechende Abgabe. Dort sank der Abfall in öffentlichen Mülleimern im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent. Mittelfristig rechnet Konstanz mit 600.000 Euro Einnahmen pro Jahr.
Für Freiburg sind für das kommende Jahr Einnahmen von 2,2 Millionen Euro eingeplant. Die Stadt verbindet damit zwei Ziele. Weniger Müll im öffentlichen Raum. Zusätzliche Mittel für den kommunalen Haushalt.
Quelle: SWR, PATIZONET
FAQ
Was ist die Verpackungssteuer in Freiburg?
Die Verpackungssteuer ist eine kommunale Abgabe auf Einwegverpackungen für Speisen und Getränke zum Mitnehmen, die seit dem 1. Januar in Freiburg gilt.
Wie hoch ist die Verpackungssteuer für Einwegprodukte?
Für Einwegbecher und Boxen werden 50 Cent erhoben, für Einwegbesteck 20 Cent pro Stück.
Welche Einwegprodukte sind von der Steuer ausgenommen?
Besteck mit einer Länge von höchstens 10 Zentimetern sowie sogenannte doggy bags für Essensreste aus Restaurants unterliegen nicht der Verpackungssteuer.
Warum wurde die Verpackungssteuer eingeführt?
Hintergrund ist das hohe Müllaufkommen in Freiburg, unter anderem durch täglich rund 20.000 entsorgte Coffee-to-go-Becher.
Welche Einnahmen erwartet Freiburg durch die Verpackungssteuer?
Für das kommende Jahr rechnet die Stadt Freiburg mit Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro aus der Verpackungssteuer.
