Wolf zurück in Baden-Württemberg
Wolf zurück in Baden-Württemberg, Foto: Pixabay

2015 wurde erstmals wieder ein Wolf in Baden-Württemberg nachgewiesen. Seitdem wird über seinen Schutz und mögliche Bejagung intensiv diskutiert. Die Debatte bewegt Politik, Landwirtschaft und Naturschutz gleichermaßen.

Inhaltsverzeichnis:

Wolf auf der Autobahn A5 bei Lahr

Der erste nach 150 Jahren nachgewiesene Wolf in Baden-Württemberg wurde Ende Juni 2015 auf der Autobahn A5 bei Lahr überfahren. Sein gefrorener Kadaver wird heute im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe aufbewahrt. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg war damals einer der ersten Experten vor Ort. Er untersuchte das Tier und bestätigte die Rückkehr des Wolfs in das Bundesland.

150 Jahre lang galt der Wolf in Baden-Württemberg als ausgerottet. Der Fund im Jahr 2015 stellte für Fachleute und Behörden ein besonderes Ereignis dar. Die Rückkehr löste zugleich eine anhaltende Diskussion aus, die bis heute kein Ende gefunden hat.

Population in Baden-Württemberg und Deutschland

Seit 2015 wanderten insgesamt 27 Tiere nach Baden-Württemberg ein. Vier Wölfe sind derzeit sesshaft, zwei im Nordschwarzwald und zwei im Südschwarzwald, alle sind Rüden. Weibliche Tiere fehlen bisher. 2023 wurde bei Schluchsee ein Jungtier überfahren, wenige Monate später auch die trächtige Mutter. Damit fehlt die Voraussetzung für eine stabile Reproduktion im Land.

Im Monitoringjahr 2023/2024 wurden deutschlandweit 209 Wolfsrudel, 46 Paare und 19 sesshafte Einzelwölfe nachgewiesen. Die Gesamtpopulation liegt bei rund 1.600 Tieren. Dazu zählen 535 ausgewachsene Tiere, 781 Welpen und 162 Jährlinge.

Die meisten Wolfsterritorien befinden sich in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Baden-Württemberg gehört zur kontinentalen Zone, die auch große Bestände im Nordosten Deutschlands umfasst.

Forderungen von Felix Schreiner und CDU

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner bewertet den von der Bundesregierung an die Europäische Union gemeldeten günstigen Erhaltungszustand als Erfolg. Dieser Status ermöglicht es, den Wolf ab 2026 wieder ins Jagdgesetz aufzunehmen. Damit sollen Abschüsse erleichtert werden, eine Forderung, die Landwirte seit Jahren stellen.

Das Umweltministerium in Baden-Württemberg widerspricht jedoch. Ohne sesshafte Weibchen könne keine stabile Population entstehen. Ein günstiger Erhaltungszustand im Land sei daher nicht gegeben. Die Fachleute betonen, dass erfolgreiche Reproduktion die entscheidende Voraussetzung sei.

Reaktionen von NABU Baden-Württemberg

Der Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU BW) lehnt die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ab. Bei nur vier Tieren wäre dies gleichbedeutend mit einer erneuten Ausrottung im Land. Auch rechtlich bliebe der Wolf durch das Artenschutzrecht geschützt. Dieses könne nicht einfach umgangen werden.

Darüber hinaus würde eine Übertragung ins Jagdrecht das Verfahren komplizierter machen. Neben dem Umweltministerium wäre auch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz beteiligt. Fachlich spricht man bei der Tötung eines Wolfs vom Entnahmeverfahren.

Herdenschutz und finanzielle Maßnahmen

Seit der Rückkehr des Wolfs wurden bundesweit rund 25 Millionen Euro in Herdenschutz und Ausgleichszahlungen investiert. Dazu zählen unter anderem Beratungen, Zäune und Schutzmaßnahmen im Schwarzwald. Micha Herdtfelder betont, dass zahlreiche Anfragen von Landwirten beantwortet und Konzepte entwickelt wurden.

Trotz einzelner Wolfsrisse bleibt der Schaden nach Einschätzung von Experten begrenzt. Selbst wenn Rinder oder Schafe betroffen waren, sehen Fachleute keine Bedrohung für die gesamte Tierhaltung.

Unterschiedliche Sichtweisen auf den Erhaltungszustand

Die Wolfsvorkommen in Europa werden in drei Zonen eingeteilt: atlantisch, kontinental und alpin. Baden-Württemberg gehört zur kontinentalen Zone. Auf dieser Grundlage fordern CDU-Politiker eine Anerkennung des günstigen Erhaltungszustands auch für das Land. Das Umweltministerium warnt jedoch vor falschen Schlüssen.

Uneinigkeit herrscht auch unter Fachleuten, da die Zonengrenzen nicht immer klar verlaufen. Während Landwirte den Abschuss befürworten, plädieren Naturschützer für strikten Schutz.

Ein Symbol im Museum in Karlsruhe

Der erste Wolf nach 150 Jahren bleibt ein Symbol. Sein Körper liegt bis heute im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe, verpackt in einer Pappschachtel. Dort ruht er im Schatten eines großen Walrosses. Für viele ist er Erinnerung an die Rückkehr und Ausgangspunkt einer Debatte, die auch zehn Jahre später noch nicht abgeschlossen ist.

Quelle: SWR, YouTube