Die Universitätsbibliothek Freiburg blickt auf ein Jahrzehnt voller Höhen und Tiefen zurück. Im Jahr 2015 wurde das modernisierte Gebäude nach siebenjähriger Bauphase neu eröffnet. Zum zehnjährigen Jubiläum würdigt nun eine Ausstellung mit dem Titel „Kontinuität und Wandel“ diese bewegte Zeit. Sie zeigt technische Details, persönliche Geschichten und Herausforderungen. Besonders eindrucksvoll ist die digitale Entwicklung, die das Haus in dieser Zeit durchlaufen hat.
Inhaltsverzeichnis:
- Digitaler Wandel unter Leitung von Antje Kellersohn
- Streit um spiegelnde Fassade und herabfallende Paneele
- Undichtigkeiten und gesundheitliche Probleme
- Hohe Besucherzahlen trotz Mängeln
- Freiburgs Wissenszentrum im Wandel
Digitaler Wandel unter Leitung von Antje Kellersohn
Bibliotheksdirektorin Antje Kellersohn hebt den tiefgreifenden digitalen Wandel hervor, den die Bibliothek in den letzten zehn Jahren durchlaufen hat. Zahlreiche Dienste wurden digitalisiert, neue Recherchemöglichkeiten geschaffen und Lesesäle technisch aufgewertet. Damit ging die Unibibliothek gezielt auf veränderte Bedürfnisse der Studierenden und Forschenden ein.
Ein Vorfall im Herbst 2023 verdeutlichte die Notwendigkeit digitaler Alternativen. Damals wurden über 40.000 Bücher mit Schimmelbefall entdeckt. Ein Gutachten machte unzureichende klimatische Bedingungen in den unterirdischen Lagerräumen als Ursache aus. Die Universität reagierte mit der Verbesserung der Lüftungsanlage. Laut Sprecherin Rimma Gerenstein wird deren Sanierung mit höchster Priorität weitergeführt. Ein Großteil der betroffenen Bände wurde bereits behandelt, doch die vollständige Entfernung des Schimmels wird noch Zeit in Anspruch nehmen.
Streit um spiegelnde Fassade und herabfallende Paneele
Die spiegelnde Glasfassade der Bibliothek sorgte schon vor der Fertigstellung im Jahr 2014 für Schlagzeilen. Autofahrer auf der Rempartstraße wurden durch Reflexionen geblendet. Eine Übergangslösung in Form eines großflächigen Banners verdeckt seither bei Sonnenschein die betroffenen Glasflächen.
Doch über die Finanzierung des Banners entbrannte ein Rechtsstreit. Das Amt für Vermögen und Bau und der verantwortliche Architekt Heinrich Degelo trafen sich deshalb vor Gericht. Laut dem Amt wurde ein Vergleich erzielt, wonach die Architekten zwei Drittel der Kosten tragen. Degelo hingegen erklärte, eine abschließende Einigung sei noch nicht erfolgt.
Ein weiteres sicherheitsrelevantes Problem trat 2018 auf, als ein Stahlpaneel von der Fassade fiel – direkt vor die Füße eines Studierenden. Ein zweites Paneel löste sich im März 2019. Grund war der Ausfall von Klebeverbindungen bei Hitzeeinwirkung. Der Landesbetrieb Vermögen und Bau ordnete daraufhin an, sämtliche Paneele mechanisch zu befestigen. Auch hier kam es zu juristischen Auseinandersetzungen mit der Fassadenfirma, die inzwischen mit einem Vergleich beendet wurden.
Undichtigkeiten und gesundheitliche Probleme
Zusätzlich belasteten wiederholte Undichtigkeiten der Westfassade den Ruf des Prestigeprojekts. Laut Ole Nahrwold vom Amt für Vermögen und Bau wurden die wichtigsten Abdichtungsarbeiten durchgeführt. Derzeit laufen letzte Befestigungen, die bis Ende September abgeschlossen sein sollen.
Auch das Raumklima stand in der Kritik. Im August 2018 klagten mehrere Beschäftigte über gesundheitliche Beschwerden wie brennende Augen und gereizte Schleimhäute. Der Zugang für sehbehinderte Menschen war zeitweise wegen einer defekten Tür nicht möglich.
Diese Vorfälle führten zu weiteren Nachbesserungen an der Gebäudetechnik.
Hohe Besucherzahlen trotz Mängeln
Trotz anhaltender baulicher und technischer Probleme bleibt die Unibibliothek bei den Studierenden äußerst beliebt. 2024 verzeichnete man durchschnittlich 8.900 Besucher pro Tag. An Spitzentagen waren es sogar über 16.000. Seit der Wiedereröffnung im Juli 2015 nutzten mehr als 25,3 Millionen Menschen das Gebäude.
Student Jacob Roelcke lobt insbesondere die langen Öffnungszeiten, sieht aber Verbesserungsbedarf bei Ausstattung und Funktionalität.
Freiburgs Wissenszentrum im Wandel
Die Universitätsbibliothek Freiburg entwickelte sich seit ihrer Wiedereröffnung zu einem zentralen Ort für Studium und Forschung. Ihre digitale Infrastruktur wächst stetig. Gleichzeitig zeigen zahlreiche bauliche Rückschläge, dass moderne Architektur nicht immer mit zuverlässiger Technik einhergeht.
Die Bibliothek bleibt ein Ort der Gegensätze: innovativ in der Nutzung, aber nach wie vor anfällig für bauliche Probleme. Ob die baulichen Versprechen vollständig eingelöst werden können, bleibt offen – die Arbeiten dauern an. Doch an der Beliebtheit des Gebäudes hat das nichts geändert.
Quelle: SWR, YouTube
