Gottesdienst wegen Böhmann gestrichen
Gottesdienst wegen Böhmann gestrichen, pixabay/Foto illustrativ

Die katholische Kirche in Freiburg hat den geplanten ökumenischen Gottesdienst beim Zelt-Musik-Festival abgesagt. Grund ist die Beteiligung des neuen Chors von Boris Böhmann, dem ehemaligen Domkapellmeister. Die Entscheidung sorgt für öffentliche Diskussionen.

Inhaltsverzeichnis:

Chor von Boris Böhmann führt zur Absage

Am Sonntag sollte ein gemeinsamer Gottesdienst auf dem Gelände des Freiburger Musikfestivals ZMF stattfinden. Geplant war ein Auftritt des neuen Chors von Boris Böhmann. Doch die Stadtkirche Freiburg entschied kurzfristig, den Gottesdienst abzusagen. Als Begründung wurde angegeben, dass eine Zusammenarbeit mit dem Böhmann-Chor derzeit nicht vorstellbar sei. Die katholische Nachrichten-Agentur zitiert die Stadtkirche mit den Worten, Gottesdienste sollten Menschen verbinden, was unter den aktuellen Umständen nur schwer möglich sei.

Die Planung des Auftritts wirft Fragen auf. Unklar bleibt, wie es überhaupt zur Einladung des Chors kam, obwohl Boris Böhmann bereits offiziell nicht mehr im Dienst der Kirche steht. Die Veranstaltung war wie in den Vorjahren als gemeinsames Projekt der katholischen und evangelischen Kirche in Freiburg vorgesehen. Auch die Organisatoren des ZMF waren eingebunden.

Hintergründe des Konflikts mit dem Bistum

Das Erzbistum Freiburg hatte Boris Böhmann zum 28. Februar 2025 gekündigt. Der Musiker leitete über viele Jahre die Freiburger Domsingschule. Nach internen Spannungen wurde er am 30. Dezember 2024 mit sofortiger Wirkung freigestellt. Zahlreiche Unterstützer reagierten mit öffentlichen Protestaktionen. So kam es etwa während der Weihnachtsgottesdienste im Freiburger Münster zu deutlichen Zeichen der Solidarität mit Böhmann.

Im April einigten sich Böhmann und das Bistum auf einen Vergleich. Über den Inhalt wurde nichts veröffentlicht. Zuvor hatte es zwischen dem Musiker und der Kirchenleitung wiederholt jahrelange Differenzen gegeben. Trotz der Einigung bleibt die Spannung bestehen, wie die aktuelle Absage zeigt.

Neue Chorakademie nach Austritten

Nach der Trennung gründeten zahlreiche Sängerinnen und Sänger eine neue Institution: die Chorakademie Freiburg. Sie schlossen sich Boris Böhmann an und verließen die Domsingschule. Die Neugründung entstand aus Unzufriedenheit mit dem Umgang des Bistums mit dem Fall. Der ehemalige Domkapellmeister erhielt somit breite Unterstützung aus dem Umfeld.

Auch Erzbischof Stephan Burger äußerte sich zu der Situation. Er zeigte zwar Verständnis für den Ärger über die Personalentscheidungen, betonte jedoch, dass es keine Rücknahme dieser Beschlüsse geben werde. Diese Aussagen veröffentlichte die „Badische Neueste Nachrichten“ im April. Trotz der Kritik von außen hält das Bistum weiter an seiner Linie fest.

Gottesdienst-Aus zeigt ungelösten Konflikt

Die Absage des Gottesdienstes auf dem ZMF zeigt, wie tief die Spannungen rund um Boris Böhmann weiterhin reichen. Der Streit hat eine überregionale Dimension erreicht. Dass ein kirchlicher Gottesdienst aus organisatorischen und personellen Gründen nicht stattfinden kann, ist ein außergewöhnlicher Vorgang. Er verdeutlicht, dass trotz juristischer Klärungen die Auseinandersetzung noch nicht beendet ist.

Wichtige Fakten im Überblick:

  1. Kündigung von Boris Böhmann durch das Erzbistum zum 28. Februar 2025
  2. Sofortige Freistellung am 30. Dezember 2024
  3. Vergleich zwischen Böhmann und dem Bistum im April 2025
  4. Gründung der Chorakademie Freiburg durch ehemalige Sänger der Domsingschule
  5. Absage des ZMF-Gottesdienstes wegen geplanter Mitwirkung des neuen Chors

Das Zelt-Musik-Festival muss somit in diesem Jahr auf ein zentrales spirituelles Ereignis verzichten. Die Entscheidung hat weitreichende symbolische Bedeutung für das Verhältnis zwischen Kirche, Musik und Öffentlichkeit in Freiburg.

 Quelle: SWR, YouTube