Nächtliches Aufwachen und seine möglichen Ursachen
Nächtliches Aufwachen und seine möglichen Ursachen, Foto: pixabay

Wer regelmäßig mitten in der Nacht zu einer festen Uhrzeit aufwacht, erlebt oft mehr als nur eine Schlafstörung. Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) sieht darin präzise Signale des Körpers, die auf die Funktion bestimmter Organe hinweisen. Dieses Prinzip basiert auf der sogenannten chinesischen Organuhr, die jedem Zeitabschnitt des Tages einem Organ zuordnet. Über Jahrhunderte hinweg wurde sie durch Beobachtung und Dokumentation entwickelt und gehört zu den zentralen Diagnosemethoden der TCM.

Inhaltsverzeichnis:

Chinesische Organuhr und Beobachtungen von Dr. Michael Feld

Der Schlafmediziner Dr. med. Michael Feld bestätigt, dass es Bezüge zwischen Organuhr und Organphysiologie gibt, auch wenn diese nicht so streng eingehalten werden wie in der Lehre. Bestimmte Organe arbeiten zu bestimmten Nachtstunden besonders intensiv. Das gilt vor allem für Leber, Lunge und Verdauungstrakt. Die TCM betrachtet nicht nur Symptome, sondern auch deren zeitliche Wiederholung und nutzt dies zur gezielten Behandlung, etwa mit Akupunktur.

Zeiträume und zugeordnete Organe in der Nacht

Zwischen 21 und 23 Uhr beruhigen sich Blutdruck und Puls. In dieser Phase wird der sogenannte dreifache Erwärmer aktiv, der das Zusammenspiel der Energiekreisläufe beschreibt. Späte Mahlzeiten oder anhaltender Stress können in dieser Zeit zu unruhigem Schlaf führen.

Von 23 bis 1 Uhr ist laut Organuhr die Gallenblase aktiv. Hier regeneriert sich die Haut, während Puls und Kortisolspiegel sinken. Alkohol und schwere Kost belasten in dieser Phase besonders.

Von 1 bis 3 Uhr arbeitet die Leber auf Hochtouren. Wer in dieser Zeit nach einem alkoholreichen Abend unruhig schläft, spürt die Entgiftungsarbeit des Körpers. Grüner Tee oder alkoholfreie Abende können diesen Prozess unterstützen.

Zwischen 3 und 5 Uhr reinigt sich die Lunge. Husten, Allergien oder Rauchen stören diesen Ablauf. Auch ein Mangel an Flüssigkeit kann die Ursache sein.

Von 5 bis 7 Uhr ist der Darm aktiv, unterstützt durch einen steigenden Kortisolspiegel. Ein Glas lauwarmes Wasser am Morgen fördert die Verdauung.

Von 7 bis 9 Uhr ist der Körper auf Nahrungsaufnahme eingestellt. Die TCM empfiehlt warme, leichte Speisen wie Haferbrei mit Obst.

Weitere Ursachen für nächtliches Aufwachen

Neben den Zuordnungen der Organuhr nennt Dr. Feld auch andere Gründe:

  1. Reflux am frühen Morgen durch aufsteigende Magensäure.
  2. Atemprobleme durch verengte Bronchien.
  3. Verstärktes Schnarchen in der REM-Phase.

Stress gilt als häufigster Auslöser für nächtliches Erwachen, auch ohne organischen Grund. Der Körper kann sich an eine bestimmte Wachzeit gewöhnen, selbst wenn keine Krankheit vorliegt.

Tipps für besseren Schlaf

  • Elektronische Geräte aus dem Schlafzimmer entfernen. Das blaue Licht hemmt die Melatoninproduktion.
  • Entspannte Atmosphäre mit warmem Licht schaffen.
  • Regelmäßige Schlafzeiten einhalten.
  • Rituale wie Tee trinken oder Lesen vor dem Einschlafen nutzen.
  • Nicht ständig auf die Uhr schauen.

Wer trotz Einhaltung dieser Regeln weiterhin regelmäßig aufwacht und zusätzlich Beschwerden entwickelt, sollte ärztlichen Rat einholen. So lassen sich mögliche Erkrankungen frühzeitig erkennen.

Quelle: Focus