In Hinterzarten im Schwarzwald findet im August ein besonderes Ferien-Camp statt. Rund 35 Kinder und Jugendliche investieren dort eine Woche in ihre Bildung. Für die Teilnahme mit Unterkunft und Verpflegung zahlen Eltern mehr als 1.000 Euro pro Woche. Während Schüler wie Clara Kristiansen in Mathe und anderen Fächern gefördert werden, zeigt sich im restlichen Baden-Württemberg ein anderes Bild. Nicht alle Familien können ihren Kindern diese Form von Unterstützung ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis:
- Clara Kristiansen und der Satz des Pythagoras
- Felix Winkelmann und das Konzept der Trainer
- Kosten und steigende Nachfrage
- Alltag zwischen Lernen und Freizeit im Schwarzwald
Clara Kristiansen und der Satz des Pythagoras
Die 14-jährige Clara Kristiansen beweist im Ferienkurs mathematisches Wissen. Innerhalb weniger Sekunden nennt sie den Satz des Pythagoras. Zusammen mit fünf weiteren Schülerinnen und Schülern besucht sie den Mathekurs im Internat Birklehof in Hinterzarten. Die kleine Gruppengröße sorgt dafür, dass sich alle stärker konzentrieren und direkt Fragen stellen können. Clara beschreibt die Atmosphäre als entspannter als im Schulalltag.
Sechs Betreuerinnen und Betreuer begleiten die 35 Kinder. Die Teilnehmenden sind zwischen 8 und 17 Jahre alt. Sie stammen aus verschiedenen Regionen Deutschlands und teilweise auch aus dem Ausland. Bei der Anmeldung geben sie an, in welchen Fächern Nachholbedarf besteht und welche Themen vertieft werden sollen.
Felix Winkelmann und das Konzept der Trainer
Felix Winkelmann ist einer von sechs Betreuern. Er absolviert sein Referendariat in Schleswig-Holstein und arbeitet bereits zum dritten Mal im Birklehof. Die Betreuer bezeichnen sich selbst als Trainer, um den geringen Abstand zu den Kindern zu betonen. Viele von ihnen studieren Lehramt oder befinden sich in der Ausbildung.
Neben Mathematik, Deutsch und Französisch gibt es zusätzliche Kurse. Dazu zählen Motivationstraining oder Konzentrationsübungen. Ziel ist es, den Kindern Methoden zu vermitteln, wie sie selbstständig lernen und Aufgaben strukturiert bearbeiten können.
Angebote im Überblick
- Mathe, Deutsch, Französisch
- Motivation und Konzentration
- Freizeitaktivitäten wie Tennis oder Bogenschießen
- Indoor-Programme wie Hip-Hop, Brettspiele, Malen
Kosten und steigende Nachfrage
Eine Woche im Birklehof kostet mehr als 1.000 Euro pro Kind. Manche Familien investieren sogar über 2.000 Euro, wenn die Kinder zwei Wochen bleiben. Laut Felix Winkelmann steigt die Nachfrage stetig. Viele Eltern sind bereit, höhere Summen in die Bildung zu investieren.
Zwar gibt es Unterstützung durch das Jugendamt für Kinder aus ärmeren Familien, doch bleibt der Zugang eingeschränkt. Studien zeigen, dass Bildungschancen in Deutschland stark von der Herkunft abhängen. Der Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft bestätigt diese Entwicklung. Seit 2013 ist die Chancengleichheit um 44 Punkte gefallen, vor allem bei Kindern mit schwierigen familiären Hintergründen und Geflüchteten. Die allgemeine Schulqualität ist um 28 Punkte zurückgegangen, die Zahl der Kinder mit ausreichender Bildung um 26 Punkte.
Alltag zwischen Lernen und Freizeit im Schwarzwald
Im idyllischen Schwarzwald können die Kinder ihre Defizite gezielt bearbeiten. Das Programm kombiniert Nachhilfe mit Sport und kreativen Angeboten. Jeden Tag entscheiden sich die Teilnehmer für Aktivitäten wie Tennis, Bogenschießen oder Hip-Hop. Bei schlechtem Wetter stehen Brettspiele oder Malen auf dem Plan.
Clara Kristiansen betont, dass ihr das Freizeitprogramm mindestens genauso wichtig ist wie der Matheunterricht. Der Wechsel zwischen Lernen und Bewegung sorgt für Abwechslung und Motivation. Ziel bleibt es, mit gestärktem Wissen und neuen Fähigkeiten ins kommende Schuljahr zu starten.
Quelle: SWR
