Forscher bremsen Glioblastom-Wachstum bei Mäusen
Forscher bremsen Glioblastom-Wachstum bei Mäusen, Foto: Pixabay

Ein Team aus Heidelberg hat einen neuen Ansatz gegen das Glioblastom vorgestellt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten menschliche Tumorzellen bei Mäusen in einen Schlafmodus versetzen und damit ihr Wachstum deutlich bremsen. Die Tiere überlebten dadurch länger.

Inhaltsverzeichnis:

Glioblastom bei Erwachsenen

Das Glioblastom ist die häufigste und zugleich aggressivste Form von Hirntumoren bei Erwachsenen. Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie können den Tumor nur vorübergehend eindämmen. Meist kehrt er nach wenigen Monaten zurück. Ein Team des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Heidelberg untersuchte deshalb den Aufbau dieser Tumoren genauer.

Die Forschenden konzentrierten sich dabei auf sogenannte Krebsstammzellen. Diese Zellen gelten als Antriebskraft des Tumorwachstums. Aus ihnen entstehen weitere Tumorzellen, die sich in unterschiedlichen Aktivierungsstadien befinden.

Analyse durch Ana Martin-Villalba und Team

Ana Martin-Villalba und ihre Gruppe verglichen Tumorzellen von 55 Patientinnen und Patienten mit gesunden Stammzellen. Dabei entwickelten sie erstmals ein Verfahren, mit dem die Aktivierungszustände der Glioblastom-Zellen systematisch kartiert wurden. Das Bild einer Pyramide half, die Struktur zu erklären:

  • Basis aus ruhenden Zellen
  • Mittlere Schicht mit teilungsaktiven Zellen
  • Spitze mit differenzierten Tumorzellen

Je größer die Basis aus ruhenden Zellen war, desto langsamer entwickelte sich das Glioblastom.

Protein SFRP1 stoppt Aktivierung

Die Forschenden stießen auf das Signalprotein SFRP1. Es hemmt einen wichtigen Signalweg, der für die Aktivierung von Stammzellen entscheidend ist. Durch den Eingriff in diesen Mechanismus konnten die Wissenschaftler das Wachstum der Krebszellen stark verlangsamen.

In Versuchen mit Mäusen gelang es, menschliche Tumorzellen mithilfe von SFRP1 in einen Schlafzustand zu versetzen. Das reduzierte nicht nur das Tumorwachstum, sondern verlängerte auch das Leben der Tiere deutlich. Oguzhan Kaya, einer der Erstautoren, bestätigte den Erfolg dieser Methode.

Bedeutung für künftige Therapien

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass viele bisherige Therapien scheitern, weil sie nur aktiv teilende Zellen bekämpfen. Ruhende Zellen füllen die Verluste jedoch schnell wieder auf. Die Blockade des Übergangs vom Ruhezustand zur Aktivität könnte deshalb entscheidend für die Behandlung sein.

Leo Carl Foerster, ebenfalls Erstautor, betonte die Bedeutung dieses Befunds. Die Heidelberger Gruppe will nun prüfen, ob Tumorzellen dauerhaft eingefroren werden können. Damit könnte ein Wiederauftreten von Glioblastomen möglicherweise verhindert werden.

Quelle: Focus