Blindenleitsystem oft durch Gegenstände blockiert
Blindenleitsystem oft durch Gegenstände blockiert, Foto: pexels

Blindenleitsysteme helfen Menschen mit Sehbehinderung, sich im öffentlichen Raum zurechtzufinden. Doch immer wieder werden diese durch abgestellte Gegenstände oder wuchernde Pflanzen blockiert. Das kann gefährlich sein – und lässt sich oft mit wenig Aufwand vermeiden. Mehr als 100 Menschen in Freiburg sind laut Landratsamt vollständig blind. Rund 1000 weitere leiden unter einer starken Sehbehinderung. Viele von ihnen nutzen spezielle Bodenplatten, sogenannte Blindenleitsysteme, um sich im Straßenverkehr zu orientieren. Diese Platten bestehen aus Rillen und Noppen, die durch Tastsinn mit Stock oder Füßen wahrgenommen werden. Wird dieses Leitsystem blockiert, entstehen schnell gefährliche Situationen.

Inhaltsverzeichnis:

Hans-Georg Fischer warnt vor blockierten Bodenplatten

Hans-Georg Fischer vom Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden warnt eindringlich vor blockierten Blindenleitsystemen. Besonders an Bahnsteigen oder in der Innenstadt sind die Rillenplatten häufig mit Gepäck, Fahrrädern oder Mülleimern zugestellt. Das Leitsystem funktioniert dann nicht mehr.

Sarah Baumgart, Behindertenbeauftragte der Stadt Freiburg, betont, dass solche Blockierungen bisher keine Ordnungswidrigkeit darstellen. Eine Kontrolle durch die Stadt gibt es nicht. Sie appelliert an die Bevölkerung, auf die freien Streifen zu achten. Denn nur so könne Inklusion im Alltag gelingen.

Gehwege oft durch Hecken unpassierbar

Ein weiteres Problem sind Pflanzen, die in den Gehweg ragen. Baumgart erhält regelmäßig Hinweise auf Äste und Dornen, die blinde Menschen verletzen können. Besonders gefährlich wird es, wenn Betroffene auf die Straße ausweichen müssen. Auch Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen sind betroffen. Die Empfehlung lautet: Hecken und Sträucher regelmäßig zurückschneiden.

Ein einfacher Rückschnitt erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern erleichtert auch die Orientierung. Besonders ältere Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen profitieren davon.

Kleine Gesten machen den Alltag leichter

Blinde Menschen freuen sich über Hilfe – auch wenn sie nicht immer darauf angewiesen sind. Hans-Georg Fischer empfiehlt, bei Unsicherheit einfach nachzufragen, ob Unterstützung benötigt wird. Besonders hilfreich ist es, wenn jemand beim Überqueren der Straße begleitet oder beim Finden der richtigen Straßenbahn hilft.

Fischer berichtet von fehlenden Lautsprecherdurchsagen an Haltestellen. Deshalb sei er auf Hinweise seiner Mitmenschen angewiesen. In der Bahn selbst helfen ihm Durchsagen beim Ausstieg.

Konkrete Verhaltenstipps für mehr Barrierefreiheit

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden gibt folgende Empfehlungen für sehende Mitbürgerinnen und Mitbürger:

  • Keine Gegenstände auf Blindenleitsysteme stellen – auch keine Taschen oder Fahrräder.
  • Nicht auf Leitstreifen stehen bleiben – sie dienen nicht als Abstandslinien.
  • Hecken und Sträucher regelmäßig zurückschneiden – sie dürfen nicht in den Gehweg hineinragen.
  • Bei Unsicherheit Hilfe anbieten – Blinde freuen sich oft über kleine Gesten.
  • Informationen weitergeben – z. B. zur einfahrenden Bahn oder zu Haltestellen.

Diese einfachen Maßnahmen können dazu beitragen, den Alltag von über 1000 Menschen mit Sehbehinderung in Freiburg sicherer und selbstbestimmter zu gestalten. Die Verantwortung dafür liegt bei allen.

Quelle: SWR